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Kleines Lexikon der irischen Geschichte

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Anglo-Irischer Vertrag
Vertrag, der nach dem Unabhängigkeitskrieg am 6. Dezember 1921 in London geschlossen wurde. Sicherte Irland den Status eines Freistaates zu. Zwei Drittel der Provinz Ulster (das heutige "Nordirland") verblieben auf eigenen Wunsch bei Großbritannien (obwohl die Engländer die Abstimmungsgrenzen zum eigenen Vorteil änderten). Darüber entzündete sich ein Streit, der in einem Bürgerkrieg gipfelte.

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Black and Tans
Von England ausgesandte gewalttätige Söldnertruppen, die im Unabhängigkeitskrieg Irlands zwischen 1918 und 1921 gegen Freiheitskämpfer, Politiker und Bevölkerung vorgingen.

Bloody Sunday
Übersetzung: Blutsonntag, blutiger Sonntag. Es gibt zwei Ereignisse, die diese traurige Bezeichnung tragen:
Am 21. November 1920 wurden im Zuge des Unabhängigkeitskrieges in ganz Dublin an die 50 englische Offiziere von der IRA erschossen. Daraufhin feuerten die britischen Truppen bei einem Gaelic-Football-Spiel mit Maschinengewehren wahllos in die Zuschauermenge.
Am 30. Januar 1972 demonstrierten im nordirischen Derry Zehntausende trotz Verbots gegen die unrechtmäßige Verhaftung einiger Einwohner. Als Demonstranten Flaschen und Steine warfen, antwortete die Polizei mit Gummigeschossen, Tränengas und Wasserwerfern. Fallschirmjäger erschossen 14 unbewaffnete Bürgerrechtler.
Bei beiden Ereignissen behaupteten die britischen Soldaten hinterher, sie wären aus der Menge heraus beschossen worden. Die Ereignisse in Derry sind gegenwärtig (2002) Gegenstand einer Untersuchung.

Bürgerkrieg
Nach der knappen Ratifizierung des wegen der Teilung Irlands heftig umstrittenen Anglo-Irischen Vertrages verließen die "Irregulars" genannten Vertragsgegner um Eamon De Valera das Parlament. Mit der Besetzung des Dubliner Gerichtsgebäudes durch die Irregulars und dem Befehl der Freistaatregierung zum Sturm auf das Gebäude am 28. Juni 1922 begann der irische Bürgerkrieg. Die schwindende Unterstützung für die Vertragsgegner erzwang schließlich einen Waffenstillstand, und De Valera kandidierte 1923 für die Parlamentswahlen.

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Casement, Sir Roger
Britischer Konsul in Afrika und Südamerika, wo er Menschenrechtsverletzungen an den Eingeborenen anprangerte und dafür - nach etlichen Schwierigkeiten - zum Ritter geschlagen wurde. Während des Osteraufstandes versuchte er, eine deutsche Waffenlieferung nach Irland zu schmuggeln, wurde aber von den Engländern gefasst und hingerichtet.
Weitere Informationen:
Die letzte Reise des Sir Roger Casement

Collins, Michael
Geboren am 18. Oktober 1890 bei Clonakilty in West Cork. Ging zunächst nach England, kehrte jedoch zum Osteraufstand wieder zurück, nahm aktiv daran teil und wurde nach Ende des Aufstandes in ein Gefangenenlager in England deportiert. Zurück in Irland baute er einen effektiven Geheimdienst auf und kämpfte für die Unabhängigkeit Irlands. Mitunterhändler bei den Verhandlungen zum Anglo-Irischen Vertrag. Aus den Meinungsverschiedenheiten über diesen Vertrag wurde ein Bürgerkrieg, in dem Collins auf Seiten der Freistaatstruppen am 22. August 1922 im County Cork erschossen wurde.
Weitere Informationen:
Vom Osteraufstand zur Unabhängigkeit

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Famine (The Great Famine - Die Große Hungersnot)
Im Jahre 1846 und den Folgejahren wurden die Kartoffelernten Irlands fast vollständig durch Krankheiten vernichtet. Die irische Bevölkerung musste hungern, weil alle anderen Lebensmittel wie eh und je nach England gebracht wurden. Eine Million Menschen starb, eine weitere Million wanderte aus.
Weitere Informationen:
Die große Hungersnot

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Home Rule
1870 von Isaac Butt begründete Forderung nach irischer Selbstverwaltung. Die Briten waren dem nicht einmal grundsätzlich abgeneigt, aber die Protestanten, vor allem in Ulster. Sie setzten Home Rule mit Rome Rule gleich (Regierung der römischen Kirche) und widersetzten sich entschieden.

Hungersnot
Siehe The Great Famine.

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Internierungsgesetz
1971 wurde in "Nordirland" ein Gesetz eingeführt, das es den Behörden erlaubte, Terrorismus-Verdächtige bis zu einem Jahr ohne Begründung, Anwalt oder Gerichtsverfahren festzuahlten. Dies war allerdings auch vorher schon gängige Praxis. 1998 abgeschafft und 2001 (nach den schrecklichen Anschlägen vom 11. September in den USA mit besonderem Blick auf islamische Terroristen) wieder eingeführt.

IRA
Abkürzung für Irish Republican Army (Irische Republikanische Armee). Erstmals verwendet während des Osteraufstandes 1916, als sich die Soldaten von Irish Volunteers und Citizen Army so nannten. Offiziell gegründet wurde sie 1919 während des Unabhängigkeitskrieges und ging dann größtenteils in der Armee der Republik Irland auf. Ein kleinerer Teil kämpfte im Bürgerkrieg bis 1923 gegen die Teilung Irlands. In "Nordirland" gab es vereinzelte Anschläge, bis im Jahre 1969 die Kämpfe dort mit großer Härte wieder aufflammten. Seitdem verübte die IRA zahlreiche Anschläge in "Nordirland", England und in Sonderfällen auch in Irland und auf britische Einrichtungen auf dem Festland. Sie spaltete sich in die Officials, die eine politische Lösung anstrebte, und die Provisionals, die weiter mit Terror kämpfte.

IRB
Abkürzung für die 1858 gegründete Irish Republican Brotherhood (Irisch-Republikanische Bruderschaft), die sich der Erreichung der Unabhängigkeit mit Waffengewalt verschrieben hatte und später in der IRA aufging.

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Karfreitagsabkommen
Im Mai 1998 von den Bürgern Irlands und "Nordirlands" in getrennten Referenden mit überwältigender Mehrheit angenommener Vertrag. Kernpunkte: "Nordirland" erhält ein Regionalparlament, Entwaffnung der paramilitärischen Gruppen, die Republik Irland streicht den Anspruch auf "Nordirland" aus ihrer Verfassung.

Katholiken
Angehörige der in Irland verbreitetsten Religion, so zu sagen Nachfahren der vom Heiligen Patrick zum römischen Glauben bekehrten Kelten.
In "Nordirland" oft als Bezeichnung für Nationalisten gebraucht und ebenda benachteiligte Bevölkerungsminderheit.

Kelten
Ab 600 vor Christus in ganz Europa vertretene Hochkultur, die auch nach Irland einwanderte und kurz darauf die einheimische Urbevölkerung verdrängt bzw. assimiliert hatte. Somit abgesehen von einigen Einflüssen von Wikingern und schottischen und englischen Siedlern die Ahnen der heutigen Iren.
Weiter Informationen:
Die Kelten

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Markiewicz, Gräfin Constance
Geboren 1868 in Sligo als Mitglied des protestantischen Landadels. Heiratete den mittellosen polnischen Grafen Casimir Markiewicz. Begeisterte sich für die Unabhängigkeitsbewegung und die "Gälische Renaissance", trat der Sinn Fein bei und kandidierte auch für die Partei. Durch Kontakte zu Arbeiterführern wurde sie zu einer glühenden Nationalistin und Sozialistin. Nahm 1916 am Osteraufstand teil und wurde verurteilt, jedoch nicht (wie sie gehofft hatte) hingerichtet, sondern ins Gefängnis gesteckt. Gehörte später dem illegalen Kabinett an. Sie wollte sich mit der Teilung Irlands 1921 nicht abfinden und wurde von der irischen Polizei wieder inhaftiert. Gräfin Constance Markiewicz starb 1927 nach einer Blinddarmoperation.

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Nationalisten
Anhänger der Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien bzw. im heutigen "Nordirland" Befürworter des Zusammenschlusses mit der Republik Irland.

Nordirland
Bezeichnung für ein Staatsphänomen, bestehend aus den "six counties" Antrim, Armagh, Derry, Down, Fermanagh und Tyrone, die noch unter britischer Verwaltung stehen. Manchmal wird auch der Provinzname Ulster synonym für "Nordirland" verwendet, obwohl dieser Begriff auch die zur Republik Irland gehörenden Counties Cavan, Donegal und Monaghan einschließt. Oberflächlich gesehen ein Land der Bombenanschläge und Straßenschlachten zwischen Protestanten/Unionisten und Katholiken/Nationalisten.
Weitere Informationen:
Eine kurze Geschichte des Nordirlandkonfliktes

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Osteraufstand
Am 24. April 1916 erhoben sich etwa 1000 Mann der Irish Volunteers und der Citizen Army in Dublin gegen die Engländer, besetzten Teile der Stadt, darunter die Hauptpost, und riefen eine Republik aus. Eine knappe Woche konnten sie sich halten. Große Teile der Stadt wurden von englischen Granaten und Brandbomben schwer beschädigt. Die Hauptanführer wurden erschossen. Durch diese Erschießungen wandte sich die öffentliche Meinung in Irland endgültig gegen die Briten.
Weitere Informationen:
Geschichte des Osteraufstandes
Text der Unabhängigkeitserklärung

Oraniermärsche
Veranstaltungen, mit denen Mitglieder des Oranierordens den Sieg Wilhelms von Oranien über die Katholiken feiern. Dabei marschieren sie traditionell triumphierend und natürlich provozierend durch katholische Viertel in "Nordirland". Nahezu alljährlich Ursache von Barrikaden und Straßenschlachten.

Oranierorden
1795 gegründeter Orden, benannt nach Wilhelm von Oranien, der in der Schlacht an der Boyne die Katholiken auf lange Zeit vernichtend geschlagen hatte. Ziel des Ordens war es, die Interessen der englischen Siedler zu vertreten. Heutzutage vor allem wegen der Oraniermärsche bekannt.

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Patrick
Siehe St. Patrick.

Protestanten
Angehörige einer Abspaltung von der christlichen Kirche, in der Republik Irland so gut wie nicht vertreten, in "Nordirland" meist Nachkommen von englischen Siedlern.
Oftmals Bezeichnung für Unionisten bzw. (nicht ganz fälschlich, und darin liegt die Ursache) als Verkörperung der britischen Macht gesehen.

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Republik Irland
Unabhängig war Irland seit dem Teilungsvotum 1921 im Status eines Dominions. Ab 1937 hatte Irland eine neue Verfassung und ist seit 1949 offiziell eine Republik. Es fehlen jedoch die "six counties" ("Nordirland"), die noch zu Großbritannien gehören.

RUC
Abkürzung für Royal Ulster Constabulary, die nordirische Polizei. Vornehmlich Machtinstrument der von Unionisten kontrollierten Staatsgewalt in "Nordirland".

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Sinn Fein
"Wir selbst", radikale republikanische Partei. Im heutigen "Nordirland" angeblich der so genannte politische Arm der dortigen IRA und aus diesem Grunde ein bei Engländern/Unionisten umstrittener bzw. strikt abgelehnter Verhandlungspartner.

St. Patrick
Der irische Nationalheilige (eigentlich Padraig). Kam um 400 als Sklave von Piraten nach Irland. Er konnte fliehen, kehrte jedoch später als Bischof nach Irland zurück. Mit viel Geschick und Behutsamkeit christianisierte er das Land und soll es der Sage nach sogar von Schlangen und Eidechsen befreit haben.
Weitere Informationen:
Das Leben des Heiligen Patrick

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Teilung Irlands
Siehe Anglo-Irischer Vertrag.

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UDA
Abkürzung für Ulster Defence Association (Ulster-Verteidigungsvereinigung), eine Art antikatholische Killerorganisation in "Nordirland".

UFF
Abkürzung für Ulster Freedom Fighters (Ulster-Freiheitskämpfer, Vorsicht Widerspruch), eine protestantische Terrorgruppe in "Nordirland".

Unabhängigkeitskrieg
Nach dem Osteraufstand 1916 führte die IRA unter Michael Collins einen trickreichen Krieg gegen die englische Besatzungsmacht und die Polizei. Hauptmittel waren Drohungen und Morde an Polizisten und Beamten. Die Engländer griffen ebenfalls zur Gewalt, auch gegen die Zivilbevölkerung. Endete mit dem Anglo-Irischen Vertrag.
Weitere Informationen:
Vom Osteraufstand zur Unabhängigkeit

Unionisten
Befürworten die Weiterführung der Union mit Großbritannien. Zumeist protestantische Nachfahren der englischen und schottischen Siedler, die sich vor allem in der Provinz Ulster (heute z.T. "Nordirland") angesiedelt hatten.

Ureinwohner
Höchstwahrscheinlich wanderten die ersten Jäger und Sammler ab 8000 vor Christus aus dem heutigen England und Schottland in mehreren Wellen nach Irland ein und wurden sesshaft. Später wurden sie von den Kelten verdrängt.

UVF
Abkürzung für Ulster Volunteer Force (Ulster-Freiwilligenmacht), eine protestantische Terrorgruppe in "Nordirland".

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Wikinger
Ab etwa 800 nach Christus überfielen die Wikinger Irland. Sie konnten sich jedoch nur in einzelnen Küstengebieten halten und gründeten dort die Städte Dublin, Waterford, Wexford, Cork und Limerick. Wurden 1014 in der Schlacht von Clontarf von Hochkönig Brian Boru besiegt und von der irischen Kultur assimiliert.
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© Norbert Kulawik,